Annamalt – Keine Sonntagsmalerin

Annamalt

Keine Sonntagsmalerin

(Trier/Föhren)

 

„Anderland“ liegt mitten in Föhren. Merkwürdig wirkt das kunterbunte Haus mit dem halben Auto neben der Eingangstür. Wie ein Juwel sticht es hervor aus dem gewöhnlichen Alltagsbild der Gemeinde nahe dem Industriegebiet und erzählt seine Geschichte – die Gedanken von Annamalt. Auch politische und gesellschaftliche Themen zieren die Fassade in konfrontierender Kunst der verspielten Realität. Das Bauwerk ist einzig, jedoch keineswegs artig. Dieser Ort atmet Lebendigkeit.

Lange hat es gedauert, bis das Gebäude in dieser Art einigermaßen vom Umfeld akzeptiert wurde. „Wenn man wirklich hinter einer Sache steht, lernt man auch mit Kritik umzugehen“, bemerkt Annamalt. Ungefähr 16 Jahre ist es her, dass sie von Welschbillig zu Edward Naujok in die Künstlergemeinschaft zog. Nach und nach ergänzte sie das Haus mit ihrer eigenen Handschrift. Nicht bloß die Fassade, auch die Innenräume und die noch so nebensächlichen Details strotzen vor vitaler Kreativität, die zum Teil auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit schließen lassen. Keine kleine Weltflucht, sondern die knallharte Wirklichkeit erwartet die Besucher. Diese bleibt nun einmal nicht anhaltend rosarot.

Stets eine offene Tür für Interessierte

In Grundschulen führt Annamalt eine Kunst-AG. „Anna, Du wohnst da? Ich dachte, in dem Haus wohnen Verrückte!“, sagte ein junges Mädchen geradezu entsetzt. Daraufhin lud die Künstlerin ihren gesamten Kurs zur Besichtigung ein. Die Begeisterung war groß, die Vorurteile schwanden. Spätestens nachdem sich die Kinder auf das schwebende Bett der 58-Jährigen setzen durften oder in den bequem gepolsterten Schubkarren Platz nahmen. Ebenso für neugierige Besucher, die ihren Augen nicht trauen, öffnet die Künstlerin gerne ihr Tor zur Weltoffenheit.

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Sowohl zeitnahe kritische Themen rund um Politik, Gesellschaft, Krieg als auch Armut, Frieden und Freiheit sind bevorzugt Gegenstand ihrer Werke. Annamalt verwendet für die Malerei eine ausgefeilte Mischtechnik, nicht einfach nur Acrylfarben. Das Atelier lässt es zu, Bilder in einem Format von weitaus mehr als zwei Metern Kantenlänge zu fertigen. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Auch dem ersten Pinselstrich. „Bevor ich mit einem Bild beginne, lasse ich mich gedanklich auf das zu bearbeitende Thema ein“, so die Künstlerin. Mit der Hilfe von Büchern, Filmen oder Gedankengut versetzt sich Annamalt in den gewünschten Modus. Das entstandene Gefühl ist je nach Themenwahl nicht immer angenehm. So auch beispielsweise das Gemälde einer stillenden Mutter in Soldatenuniform mit Militärorden-Piercing. In der „Kinderstube der Nation“ werden vorhandene Attitüden bereits über die Muttermilch an den Nachwuchs weitergegeben.

Man sieht nur mit dem Herzen gut

Davon wusste bereits Saint-Exupéry. Auf ihre emotionale Art und Weise macht Annamalt das Wesentliche für das Auge des Betrachters sichtbar. „Am liebsten ginge ich dann in das Bild hinein“, schwärmt die Gestalterin geradezu euphorisch, „Und irgendwann malte ich gerne in einem drei- bis viermal größeren Format“. Beiläufig hält sie Ausschau nach einer großen Halle, um sich diesen Traum zu ermöglichen. Bis zum 23. März sind noch zwei kritische Werke bei der „ad hoc“-Ausstellung in der Trierer Tufa zu sehen. Diese Kunst erfordert eine längere Auseinandersetzung mit der Materie und eine ausgedehnte Betrachtung, um auch die Einzelheiten zu verstehen. Jeder Strich und jede Farbe ist mit Bedacht gewählt. Annamalt ist keineswegs eine „Sonntagsmalerin“.

Neben ihren Werken ist auch ein virtuellen Rundgang durch das Haus unter www.annamalt.net zu entdecken. [RP]

 

Fotos: Künstlerin und BK

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