Donald R. Green – Ein Blick in die Seele

Donald R. Green

Ein Blick in die Seele

(Trier/Wincheringen)

 

Die Tür zum Atelier in Wincheringen öffnet sich. Nicht nur diese Tür, gleichzeitig öffnet sich auch der Eingang zu einer Fantasiewelt. Interessierte Besucher werden derart freundlich empfangen, dass sie sich auf den zwei Etagen direkt willkommen fühlen. Selbst das Telefon klingelt dann vergebens – Donald R. Greens Gäste stehen im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt seiner inneren und äußeren Welten. Nicht nur die Wände des Treppenhauses oder die Fensterbänke, alle Räume stecken voller Kreativität. Jedes der Kunstwerke birgt ein Stück Empfindungsleben seines Schöpfers.

Werke mit Acryl-, Ölfarben, Skulpturen aus Ton oder Gips gestaltet, Linoldrucke, Aquarelle, Radierungen und Kohlezeichnungen – es gibt so gut wie keine Technik, die er ausgelassen hätte, um seine Intension künstlerisch darzustellen. „Der Gedanke zählt, nicht das Material“, so Green. Kürzlich ist noch die digitalen Kunst hinzugekommen. „Ich mach einfach mal.“

Malkasten entpuppt sich als Zauberkasten

Als Sohn amerikanischer Eltern wächst er in Tawern auf. Green erinnert sich noch gut an den Tag, an dem sein Vater den damals Fünfjährigen austrickste, um seinen ungestörten Mittagsschlaf halten zu können. Es sollte sein Leben prägen. Er schenkte ihm einen Malkasten. Sein Vater, ein Schriftsteller, brachte ihm das puristische Malen mit Stil bei. Es begann mit einfachen kindlichen Klecksereien. Er empfand seinen Vater immer als unerreichbares Ideal. Donald Green war motiviert, so gut zu werden wie sein Vorbild und übte und übte und übte. Schnell fand er Gefallen daran und der Malkasten entpuppte sich bald als „Zauberkasten“, der verborgene Talente weckte, die zu einer Leidenschaft „metamorphosierten“. Diese dauert noch immer an. Der heute 58-Jährige übertrifft sein Ideal mittlerweile um Längen.

Real surreale Träume inspirieren

Jedes seiner Kunstwerke erlaubt einen kurzen Blick auf seine Seele. „Manchmal versuche ich Bilder aus meinen Träumen umzusetzen. Diese erscheinen mir oft ziemlich real surreal“, erklärt Green. So entstand beispielsweise „The Dark One“. Für den Maler ein Portrait seines eigenen Schattens, der ihn eines Nachts unbemerkt verfolgte. Green setzt Gefühle in Bildnisse um. Doch sind es nicht ausschließlich die Träume, sondern auch Erlebnisse, Begegnungen oder aktuelle Geschehnisse, die ihn inspirieren. Mit seinem außerordentlichen Gespür und Feingefühl nimmt er Dinge wahr, die oftmals verborgen bleiben. „Gelegentlich male ich einfach drauf los, ohne zu wissen, was letztendlich dabei herauskommt“, bemerkt Green. Doch das allein füllt den Kühlschrank nicht.

Aufträge und Arbeiten jeglicher Art

Der aktuelle Auftrag steht noch unbeendet in der Staffelei. Acrylfarben aus diversen Blautönen und Weiß trocknen auf der ovalen Palette. Daneben ein Tablett mit Pinselauswahl, in der Ecke eine gut gefüllte Kiste und Regale mit den unterschiedlichsten Utensilien. Stärkere Gebrauchsspuren lassen schnell auf das Lieblingswerkzeug schließen. Selbstkritisch und perfektionistisch beäugt er die Leinwand und findet einiges noch verbesserungswürdig an dem fotoähnlichen Gemälde. Ausbesserungen und Änderungen sind für ihn als Retuscheur und Amateur-Restaurator ein Leichtes.

Sein Faible begleitet ihn zur Arbeit

Green blickt auf die Uhr und drückt die Zigarette aus. Kurz vor fünf. „Ich muss zur Arbeit“, sagt er. Ein ungewöhnlicher Anblick: Der Künstler schnappt sich die quietschgelbe Tasche mit Posthornemblem und macht sich auf den Weg zum gegenüberliegenden Postamt. „Von der Kunst alleine, lässt sich eben nicht gut leben.“
Sein Faible begleitet ihn auch zur alltäglichen Arbeit. Ebenso die einst tristen Wände dieser kleinen Filiale wirken durch seine Werke lebendig.
Einen kleinen Einblick in das Schaffen des Donald R. Green unter www.green-artworks.de und aktuelle digitale Kreationen zudem in seinem Facebook-Account. Ein Besuch des Ateliers ist nach Anmeldung ebenfalls möglich. [RP]

 

Fotos: Künstler und BK

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