Jenz Dieckmann – Apokalyptische Kunst

Jenz Dieckmann

Apokalyptische Kunst

(Trier)

 

Es ist wie ein Eintauchen in eine andere Welt. Eine Reise in den tiefen Kosmos der unterschiedlichsten Realitäten des Jenz Dieckmann. Beim Betrachten seiner Werke stellt sich oft die Frage: „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“. Die Frage bleibt unbeantwortet. Selbst ein zweiter Blick gibt nur träge Aufklärung darüber, ob man seinen Augen trauen kann. Oft sind es Darstellungen, die Schönheit, Erotik, Zerstörung und Albträume zugleich abbilden. Digitale Kunst vereint mit der Fotografie. Nicht nur ein Abbild der virtuellen Realität – verkehrte Welt?

Faible für den Untergrund

Bereits im Kunstunterricht der frühen Schulzeit kristallisierte sich sein Hang zur düsteren, abschreckend bedrohlich wirkenden Gestaltung heraus. „Wir sollten Götter der griechischen Mythologie malen. Ich wählte Hades, den Gott der Unterwelt.“, erinnert sich Dieckmann. „Was zum Schrecken des Lehrers dabei herauskam, glich einem blutrünstigen Monster.“ Diese Vorliebe beeinflusst ihn bis heute. Nicht ohne Grund wird seine meist digitale Foto-Kunst als „apokalyptisch“ bezeichnet. Elemente der Destruktion, des Schmerzes sowie des Ekels tauchen immer wieder in seinen Werken auf. Keineswegs nur in homöopathischen Dosen.

Von „Heftzwecken“ und der anderen Art

So auch in dem etwas anderen Kunstmagazin „INSIDE artzine“, welches der 45-Jährige seit 1990 herausgibt. Neben seinen Werken sind ebenso ausgewählte Arbeiten internationaler Künstler ähnlichen Genres im Heft vertreten. Die zum Teil zerstörerische, qualvolle Untergrundstimmung wird mit verrückten Interviews und eigenen Kurzgeschichten zusätzlich untermalt. Dass diese Art der devianten Darstellung nicht nur in den Nischen Deutschlands Anklang findet, zeigen gut frequentierte Ausstellungen in Luxemburg, der Schweiz und aktuell in Japan. „Dass die Bilder mitsamt dem ‘Inside’ einmal in Tokio landen, hätte ich niemals zu träumen gewagt“, gibt der etwas zurückhaltend wirkende Kreative zu.

Nicht müde, kreativ zu sein

Es sind nicht ausschließlich absurde Themen, die Jenz Dieckmann künstlerisch begeistern. Im Kontrast dazu organisierte er vor vier Jahren den montäglichen Aktzeichenkurs in der Tuchfabrik. Die Teilnehmerzahl schwankt zwar, doch in keiner Weise der Enthusiasmus. Auch gesellschaftskritischen Fragestellungen nimmt er sich an. Ungefähr zwei Jahre ist es her, dass eine illuminierte Installation das Interesse des Publikums bei der Trierer „Reliquie“ weckte. Pumpende Stoßvibratoren um einen Schafschädel arrangiert, inmitten von Pillen, Mobiltelefonen, Lippenstiften und einer Pistole. Sein üppig mit Schmuck und Stacheldraht behangener „Wohlstandsaltar“ lud zur aktiven Auseinandersetzung und einem Blick in den Spiegel hinter der Aufhängung ein. Davor ein in Schläuchen verwickeltes Gebetskniebänkchen mit einem zur Nutzung bereitliegenden Kondolenzbuch. „Mittlerweile habe ich ein echtes Platzproblem zu Hause“, bemerkt der zugezogene Neusser. Er ist jedoch keinesfalls müde, weiterhin kreativ zu agieren.

Auf Inspirationstour

Als diplomierter Kommunikationsdesigner empfindet er „die Kunst und die Fotografie als erfüllende Ergänzung zum alltäglichen Job“. An Inspirationen und neuen Ideen mangelt es Dieckmann fast nie. Nicht selten zieht es ihn in unbekannte Gefilde. Sein VW-Bus in „hysterischem metallic Türkis“, so der Eintrag im Fahrzeugschein, ist mit einer Standheizung, Liegefläche und Kühlschrank auch für längere Expeditionen gerüstet. Entdeckungsfahrten zu verborgenen Dingen in der Natur und Umgebung. Seien es zugefrorene Wasserfälle, profane Reifenspuren im Waldboden oder verlassene Plätze – in Fotos eingefangen, macht der Grafiker die offensichtliche und die verborgene Schönheit beziehungsweise Hässlichkeit sichtbar. „Es gibt in und um Trier immer etwas Neues zu entdecken. Sogar nach den elf Jahren noch, die ich eigentlich gar nicht hier verweilen wollte.“

Unter www.fallingsky.de gewährt Jenz Dieckmann detaillierte Einblicke in seine facettenreiche Künste und in das Kunstmagazin. [RP]

Fotos: Künstler

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