Laas Koehler – “Ich bin nicht reich, aber glücklich”

 

Laas Koehler

„Ich bin nicht reich, aber glücklich“

(Trier/Mertesdorf)

 

Seinen Milchkaffee mit Karamellsirup bestellt er sich, nicht wie üblich in einem Glas, sondern explizit in einer Tasse. Laas Koehler möchte sich nicht in Normen verlieren – er folgt seiner eigenen Überzeugung. So hält es der Konzeptkünstler auch mit der Kunst. Ein bisschen positive Verrücktheit spiegelt sich nicht nur in der Darstellung politischer oder gesellschaftlicher Kritik wider. Was beim flüchtigen Anblick wie Spaß oder Unsinn wirkt, wandelt sich bei näherer Auseinandersetzung in Relation zum Werktitel zu ernstgemeinten Botschaften. Das anfängliche Lächeln im Gesicht des Betrachters gefriert. Koehler motiviert zum Nachdenken.

Der springende Punkt

Der gebürtige Berliner sprüht vor Ideen und hat immer etwas mitzuteilen. Kreativ betätigt hat sich Laas Koehler bereits seit Kindesbeinen an, nicht immer zur Freude seiner Eltern. „Meine erste Wandmalerei machte ich im Alter von drei Jahren. Mit Nutella“, scherzt er. Die Materialien hat der 40-Jährige mittlerweile geändert. So verwendet er beispielsweise in seiner Serie „Komm doch mal auf den Punkt“ rote Klebepunkte auf weißem Papier. Mosaikähnlich nehmen die Bilder Gestalt an. Ein Kunstwerk mit rotem Punkt markiert, gilt im Fachjargon als verkauft. Bis zum 6. April kann eine Auswahl dieser Serie noch im Stadtmuseum Simeonstift Trier im Rahmen des Ramboux-Preises begutachtet werden.

Neue Kunst im öffentlichen Raum“, kurz „NKIÖR“, nennt sich eine weitere von diversen Konzeptreihen. Unter Verwendung eines gebastelten Schildes mit selbigem Aufdruck, wird achtlos Weggeworfenes oder Vernachlässigtes zur Kunst graduiert. Laas Koehler stellt die Tafel daneben und fotografiert das Ensemble. Als Fotogalerie arrangiert, lässt er den Müll in völlig anderem Licht erscheinen. Eine etwas außergewöhnliche Lösung des Müllproblems.

Pädagogischer Autodidakt

Als Autodidakt arbeitete der Konzeptkünstler einst hauptberuflich mit Vorliebe im pädagogischen Bereich, bevorzugt mit behinderten Menschen und „schwierigen“ Jugendlichen. Dass er den Draht zu Kindern und Jugendlichen hat, zeigen auch seine derzeitigen Projekte in Kooperation mit Haupt- und Realschulen plus. Um seine im niedersächsischen Leer lebende Familie öfter in die Arme schließen zu können, nahm Koehler eine dortige Arbeitsgemeinschaft mit Schülern in Angriff. „Ich begegne den Schülern nicht als Lehrmeister, sondern als Künstler“, lautet sein Erfolgsrezept. So etablierte sich auch die mit Kollegen ins Leben gerufene Kunstbaustelle „TUFA.topolis“ hinter der Tuchfabrik zum gefragten Projekt: Junge Leute dürfen unter Aufsicht frei gestalten, selbstbestimmt arbeiten und entscheiden.

Aus Lars wurde Laas

Ob es nun mit grundsätzlichen Gedanken zur Jahrtausendwende zusammenhing, kann Koehler nicht mehr nachvollziehen. Doch seit dem Millennium nennt er sich „Laas“. Er fand es an der Zeit einen Künstlernamen zu tragen, der nicht allzu sehr von seinem bürgerlichen abweicht. Einige Jahre später warf er mutig alte Konventionen mit den dazugehörigen Sicherheiten über Bord. „Seit 2006 bin ich nun offiziell Fulltime-Künstler mit Steuernummer“, sagt Koehler zufrieden. Zwei Jahre lang sammelte er Impressionen in London und knüpfte dort neue Kontakte. Mit Ausstellungen, Projekten, Workshops sowie als Kurator bestreitet er nun seinen Lebensunterhalt. Andere machen sich ein Drei-Gänge-Menü, Laas Koehler macht sich Gedanken – „Ich bin nicht reich, aber glücklich“. Seiner These zufolge, besitzt jeder Mensch eine Leidenschaft. Werde dieser nicht in irgendeiner Form gefrönt, „kommt oftmals unterschwellige Unzufriedenheit auf“.

Einen umfassenden Überblick bezüglich des Lebens und des Werkelns des Laas Koehler findet sich unter www.laaskoehler.tumblr.com[RP]

Fotos: Künstler und BK

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