Markus Bydolek – Das Spiel mit den Elementarteilchen

Markus Bydolek

 Das Spiel mit den Elementarteilchen

(Trier)

 

Sie kommen einem neugierigen Blick durch ein Kaleidoskop nahe: die aktuellen Werke von Markus Bydolek. Doch keineswegs birgt seine komplexe Fotokunst ein zufälliges Muster, sondern die metaphysische Revolution der einzelnen Pixel. Die Illusion fällt wie ein Nebelschwaden über die eine Realität und lässt die Betrachtung für das Ding an sich zu. Bydolek spielt mit den augenfälligen Elementarteilchen der Natur. Unsichtbares wird sichtbar. Unscharfes wird scharf. In transzendentem Farbschimmer.

Der Malerei kehrte Bydolek schon während des Studiums an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig den Rücken. Seine Leidenschaft für die Fotografie lässt ihn nun seit über 30 Jahren nicht wieder los. Vor einigen Jahren noch fotografierte der gebürtige Hildesheimer mit einer analogen Kamera in Schwarz-Weiß. In seinem Labor bearbeitete er die Bilder in spezieller aufwendiger Technik weiter. „Mittlerweile habe ich mich auf die Vorzüge der digitalen Fotokunst eingelassen“, sagt der 54-Jährige, „die Aufnahmen sind klarer durchgezeichnet und man kann alles erfassen, was da ist.“

Sinnlich erkennbare Welten überschreiten
Teilweise psychedelisch muten seine letzten Werke an. Ein gewohnter Anblick nimmt befremdliche Züge an. In den Eigeninterpretationen überschreitet er Grenzen der Wahrnehmung. Was auf den ersten Blick auf eine unruhige Hand bei der Kameraführung deutet, ist im Motiv „Maisfeld“ beabsichtigt. „In fünf Minuten machte ich ungefähr 45 Bilder und legte Belichtungsreihen übereinander“, erklärt der Künstler sehr vereinfacht. Stämme stehen fest, Blätter bewegen sich im Wind. Die Komposition der Gegensätzlichkeiten wird festgehalten. „Das Maisfeld erinnerte mich an höfische Tänze. Steif, rhythmisch und elegant zugleich“, so Bydolek weiter, „vielleicht ist das der Grund für die blauen Farbnuancen, ´Blaues Blut´ sozusagen. Oft verstehe ich erst im Nachhinein die genauen Impulse.“ Davon wusste bereits Kierkegaard: „Das Leben kann nur rückblickend verstanden werden. Es muss aber vorausschauend gelebt werden.“

Auf der Suche nach der verlorenen Unendlichkeit
Der Künstler verbrachte seine Kindheit im Harz, damals gerne in den unendlich scheinenden Weiten des Waldes. Diese Faszination trägt er auch heute noch in seinem Herzen. „Der dortige Wald symbolisierte für mich eine gewisse Unendlichkeit, die ich in der Trierer Region nicht wiederentdeckte“, erinnert sich der Fotograf. Eigens um dieses Gefühl in Bildern darzustellen, machte er sich auf den Weg zu seinen Kindheitserinnerungen in besagten Forst auf 1000 Metern Höhe. Die empfundene Endlosigkeit hielt er in Fotos fest.
Glatte Oberflächen von Steinen, Ästen oder Laub bricht er mithilfe eines Teleobjektivs auf, um auch das Verborgene ans Tageslicht zu bringen. Das Spiel mit dem Sichtbaren und dem vorerst Unsichtbaren nimmt seinen Lauf in begrenztem Zeitintervall. Oberflächen verwandeln sich zur tanzenden Illusion. „Durch Schärfen an allen Stellen, in allen Bewegungen geht der Bezug zur bekannten Außenwelten nahezu verloren und in das Gesamtbild über“, sagt Bydolek. Er fängt die Details ein und lässt diese in außergewöhnlichem Licht erstrahlen. In verpixelten Elementarteilchen.

Ausstellung in Trier
Noch bist zum 21. Dezember sind Werke von Markus Bydolek im Rahmen der Gemeinschaftsausstellung „éditions trèves“ im Obergeschoss der TUFA zu besichtigen. Auf der ersten Etage erzählen frühere Exponate aus des Künstlers Entwicklungsgeschichte. [RP]

 

Fotos: Künstler und BK

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