Rainer Röder – “Jeder Mensch ist ein Künstler”

Rainer Röder

„Jeder Mensch ist ein Künstler“

(Trier/Föhren)

 

Auf 40 Quadratmetern vollbepackte Regale mit abenteuerlichsten Materialien, ein Kassettenradio aus den Achtzigern und eine Menge raumfordernder Kunst. Jedes freie Fleckchen wird genutzt. Der Weg zu Rainer Röder in seinem Atelier ist ein schmaler. Nicht jedoch der zu seinen Gedanken. Wie ein Spiegel führt der zugezogene Oberbayer mit seinen Werken Tatsachen vor Augen, vor denen, sei es aus Angst oder Eigenschutz, oftmals selbige verschlossen werden. Krieg, Kommerz und Konsum sowie aktuelle politische Geschehnisse sind seine großen Themen.

„Die Leichtigkeit des“ ist seit dem 24. Februar vor der Tuchfabrik aufgebaut. In Kooperation mit dem befreundeten Künstler Edward Naujok schmelzen 75 Liter Vergänglichkeit auf 18 Lagen kalter Steinplatten in ihren originären Zustand zurück. Einzig bleibt die Erinnerung an den Eisblock, der sich nicht der Umgebung anpassen konnte. Transformation auch in der Gesellschaft? Ein integriertes Wasserglas kann seinen Zweck nur begrenzt bis zum Fassungsvermögen erfüllen. Nichts Greifbares hält für die Ewigkeit. Die Zeit rinnt gnadenlos unaufhaltsam dahin – manchmal eben sichtbar in Tropfenform.

Latente Bilder und „Helden des Krieges“

Sichtbar macht Röder auch versteckte Bilder. „Ein Hohelied auf die Digitalisierung der Welt“, schwärmt der Künstler augenzwinkernd. Bis zur Unkenntlichkeit digital verfremdete Fotos geben der Fantasie wieder neue Bilder preis. Einem Blick durch ein Mikroskop oder Teleskop ähnlich, ohne Veränderung des Ursprungsmotivs. Für den 53-Jährigen ist „Kunst die Differenz zwischen Realem und Vorstellbarem“. Seine angewandten Techniken sind stetig im Wandel, den aktuellen Geschehnisse gleich. So brachte er in Anlehnung an den Afghanistan-Krieg ein provokantes Objekt hervor. Wie ein unhandlicher Setzkasten scheint es. 43 rostige Baustahlkreuze in Beton gegossen füllen je ein Kästchen in dem ungefähr 100 Zentimeter langen Quadrat. Jedes Kreuz symbolisiert einen gefallenen deutschen Soldaten. Es sind noch Plätze frei.

Frei nach Joseph Beuys, einer seiner prägenden Leitfiguren, verinnerlichte er, „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Unter diesem Motto lebt Röder seine Freiheit der Möglichkeiten als Teil des sozialen Gefüges, künstlerisch darstellen zu dürfen.

Das verflixte 7. Jahr?

Sieben Jahre ist es nun her, dass Rainer Röder mit seiner Familie in Föhren ein altes Bauernhaus nahe des Ateliers bewohnt. Die Immobilie war Liebe auf den ersten Blick. Diese hat beste Voraussetzungen für eine Beständigkeit – Routine ist fehl am Platz im Hause Röder. Nicht nur in die Kunst, auch in das Eigenheim fließt seine handwerkliche Begabung mit ein. „Der Mann mit dem Container“ wird er heute noch anerkennend im Ort genannt. Tatsächlich steht seit dem Umzug von Luxemburg ein Container vor dem Haus, der ständig im Einsatz ist. „Jeden Tag ein bisschen im trauten Heim und ein bisschen an der Kunst arbeiten“, lanciert der dreifache Vater ausgeglichen. Ein weiteres siebtes Jahr liegt es zurück, dass der studierte Stadt- und Regionalplaner, mit der Unterstützung seiner Frau, seine Arbeitsstelle gegen die des „Familienarbeiters zu Hause“ und Vollblutkünstlers eintauschte.

Verkapselung der Gedanken

Die Kaffeemaschine im Gepäck. Selbst im Skiurlaub wird Röder der Kunst nicht abtrünnig. Als praktischen Nebeneffekt könnte seine Koffeinaffinität bezeichnet werden. Die benutzten Nespressokapseln sind Grundlage zur Fortführung der konsumkritischen Objektreihe „Nestreme“. 4500 gebrauchte Kapseln warten schon auf ihre Wiederverwertung im Atelier.

Rainer Röder nimmt gegenwärtig noch Abstand zu Veröffentlichungen im Internet, doch plant er bereits eine eigene Website. [RP]

Fotos: BK

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