Sylvie Felgueiras – Im Fadenkreuz der Kunst

Sylvie Felgueiras

Im Fadenkreuz der Kunst

(Trier)

 

Hintergründig sind die schnellen Takte von Elektro- und Punkrock zu vernehmen. Es scheint, als käme der Rhythmus ihrem Herzschlag gleich. Sylvie Felgueiras steht gerade unter Strom und blüht in ihrer Arbeit regelrecht auf. Mit ihrer Kunst hat sie sich ein Stück Freiheit im stressigen Alltag geschaffen. Einen Blick durch den Sucher und das Motiv befindet sich im Fadenkreuz ihrer Kunst. In manchen Kulturkreisen kursiert der Aberglaube, ein Foto raube dem Motiv ein Stück seiner Seele. In Felgueiras Lichtbildern wird diese zumindest sichtbar. Fotografie kann weitaus mehr sein als eine profane Aneinanderreihung von Pixeln.

Wie ein Maler seine Farben, Pinsel und Techniken mit Bedacht herausgreift, wählt Sylvie Felgueiras die Belichtungsdauer, Brennweite und das Objektiv, um ihr Sujet wie gewünscht darzustellen. Atmosphärisch und illusorisch muten beispielsweise die Werke der Mehrfachbelichtung an. Zwei Bilder zu einem vereint – keineswegs am Rechner, sondern direkt in der Kamera. Die Stimmung der Fotos wirkt abstrakt. „Grenzen verschwimmen oft im digitalen Zeitalter“, so die Künstlerin. Eine Grenzerfahrung der Möglichkeiten erlebte die 31-Jährige bereits in der analogen Fotografie. „Mit der digitalen Technik eröffnen sich ganz neue Wege, die zu spannenden Experimenten anregen“. So auch die Wege zu diversen Gruppenausstellungen. Darunter eine eigene in Luxemburg, sozusagen über die Grenzen hinweg.

Stillleben eines ironischen Konsums

Menschen, arrangiert inmitten von Porzellanfiguren, geblümtem Teeservice und bunten Tüchern. Ein perfekt ausgeleuchtetes Stillleben des ironischen Konsums. Alles für den einen Augenblick. Für diesen magisch erscheinenden Moment, in dem ihre Kunst im Bild festgehalten wird. Wer ist Protagonist – das Modell oder der Kitsch? In ihrer bunten Fotoreihe „Accessoire Mensch“ geht die Künstlerin provokant der Frage nach, inwieweit sich der Mensch über den Konsum definiert oder damit verwachsen ist. Verlorene Werte einer „Ramschkultur“ oder wertvolle Erinnerungsstücke. Die Definition des Kitsches ist so individuell wie der Mensch.

Mit Vollgas durchs Leben

Einige technische Fertigkeiten eignete sich Felgueiras während des Studiums zur Kommunikationsdesignerin an. Weitere Eindrücke und neue Erfahrungen sammelt sie derweil im Masterstudium an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken. Nach sechs Jahren in ihrem erlernten Beruf als Frisörin sagte sie sich, „Ich will mehr vom Berufsleben“ und entschied sich für die akademische Laufbahn. Eine Entscheidung, die ihr Leben komplett umkrempelte. Doch das war ihr noch nicht genug. „Mir kam die zeichnerische Komponente in der FH etwas zu kurz“, bemerkt die Halbportugiesin. Um dieses Defizit auszugleichen, schloss sie sich kurzerhand der Gründung des Aktzeichenkurses der Tufa an.

Zugleich das tägliche Brot sichern

Kennzeichnend sind nicht nur die fotografischen Umsetzungen, auch Felgueiras Arbeit als freiberufliche Foto- und Grafikdesignerin. Unter dem eigenen Label Kirakaró entwirft sie Designs, setzt Mode, Speisen und Produkte jeglicher Art in Szene. Darüber hinaus gestaltet sie Erscheinungsbilder für Firmen, erstellt Typografien, Prospekte und Kataloge. Mit Bravour meistert sie den Spagat zwischen Alltag, Studium und Muttersein. „Für meine Tochter tue ich alles. Sie gibt mir viel Kraft. Manchmal raubt sie mir diese auch wieder“, sagt die Künstlerin lächelnd. Sylvie Felgueiras ist eine Powerfrau und lebt auf der Überholspur.

Sylvie Felgueiras legt großen Wert auf die strikte Trennung ihrer Arbeit von der Kunst. Mehr zur Künstlerin unter www.sylviefelgueiras.de und zu ihrer Arbeit unter www.kirakaro.de [RP]

Fotos: Künstlerin und BK

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