Tanzkollektiv Trier – Nussknacker tanzt in der Tuchfabrik

Ein Tanz – eine Sprache

(Trier)

 

Klänge des russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski ertönen aus den Boxen des Proberaums im ersten Stock. Etwas daran erscheint ungewöhnlich – nicht ausschließlich in klassischer Manier brandet „Der Nussknacker“ empor, teilweise sind die bekannten Melodien des Märchens vereint mit moderner Musik und experimentellen Klangelementen oder werden rückwärts abgespielt. Das Tanzkollektiv Trier studiert gerade die Eigeninterpretation „Nussknacker – das Fest“ ein. Der Raum ist erfüllt von Magie. Rhythmisch und harmonisch bewegen sich die eleganten Körper der virtuosen Tänzer dazu. Hochkarätige Profis stehen auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Das siebenköpfige Tanzkollektiv Trier formierte sich im Herbst dieses Jahres zu vorerst diesem weihnachtlichen Tanztheater-Projekt. „Man musste keine großen Überredungskünste an den Tag legen“, erinnert sich die mittlerweile freiberufliche Tänzerin und Choreografin Hannah Ma, „schnell waren die Tänzer begeistert von der Idee, ungezwungen eigene Impulse auf der Bühne umzusetzen.“ Neben der ebenfalls freischaffenden Jill Crovisier aus Luxemburg auch Tänzer des Ensembles vom Theater Trier: Juliane Hlawati, Noala Aquino, Cecile Rouverot, Ayumi Noblet und Alister Noblet. Dabei stellt die Formation keine Selbstverständlichkeit dar. Für die sieben Berufstänzer ist das neuausgelegte Märchen des Nussknackers ein Freizeit-Projekt. Räumliche Unterstützung erhält das Tanzkollektiv als ein Teil des Tufa Tanz Vereins von der Tufa und auch vom Stadttheater. „Anträge auf kulturelle Fördermittel haben wir bereits gestellt“, sagt Ma. Qualität hat ihren Preis.

Universale Sprache

Während den Proben verständigen sich die verschiedenen Nationalitäten in einem Medley aus Deutsch, Englisch und Französisch. So gestikulierte Cecile Rouverot mit einer eindeutigen Handbewegung, die sofort verstanden wurde. „Ach, dir wird übel, wenn du dich zu lange drehst“, erkennt die Halbchinesin Ma, „dann überlegen wir uns eben eine andere Choreografie für dich.“ Der Tanz ist seit jeher eine dynamische Sprache, die über Grenzen hinweg verstanden wird. Füße, die markante Spuren hinterlassen, Denkprozesse anstoßen, Gefühle übermitteln. Ein tanzender Körper kann Emotionen ausdrücken und Geschichten erzählen. Ohne Worte.

Eine fantastische Reise beginnt

Die neuinterpretierte Geschichte um den Nussknacker, den Mäusekönig und die Zuckerfee wird vom Tanzkollektiv in diversen Ebenen vorgetragen. Eine abenteuerliche Reise im Tanz zwischen Wirklichkeit, Traum und Fantasie. „Kinder haben es sicher leichter, der Dramaturgie zu folgen. Sie besitzen noch genügend Fantasie, um sich auf eine andere Welt einzulassen“, sind sich die Akteure einig.

„Kommt, wir proben noch einmal den letzten Teil mit der Hebefigur“, fordert Hannah Ma ihre Teamkollegen auf. Tschaikowski ertönt.

An zwei Tagen finden die 70-minütigen Aufführungen „Nussknacker – das Fest“ im Großen Saal der Tufa statt: am 3. und 4. Dezember. Einzelheiten und Ticketinformationen unter www.tufatanz.com. [RP]

 

Fotos: BK

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