Stephan Schmitz – Krippenbauer aus Leidenschaft

Der etwas andere Zimmermann

(Trier-Euren)

 

Beruhigend wirkt der angenehme Duft des frischgeschnittenen Zirbelkieferholzes. Stephan Schmitz sitzt an seiner Werkbank und schnitzt einen Brunnen zurecht. Eine Requisite für die weihnachtliche Krippe entsteht. Späne fallen auf den Boden und die schwarze Cordhose. Auch seine Füße sind ein wenig mit Hobelstaub bestreut – Socken trägt er keine in den offenen Schuhen. Die behagliche Wärme des knisternden Holzofens durchflutet sein Atelier in Euren. Angelehnt trocknen diverse Holzarten, Wurzeln, Moos aus dem Hochwald und kleine gestutzte Strohbündel.

Seit ungefähr 20 Jahren baut Stephan Schmitz Krippen, die die biblische Geschichte wie ein Miniatur-Standbild aus einem Theaterstück wirken lassen. Mit Liebe zum Detail fertigt er die Unikate. „Im September, wenn die meisten Utensilien gesammelt sind, lege ich los“, sagt der 52-Jährige und greift grübelnd an seinen langen Bart, „an einer Krippe von knapp einem Meter Länge sitze ich bis zu drei Monaten, manchmal zehn Stunden am Tag.“ Einzig die Figuren bezieht er fertig aus dem Grödnertal, einem bekannten „Schnitzertal“ in Südtirol. Das weitere Material gestaltet der ausgebildete Kfz-Mechaniker selbst in akribischer Detailarbeit. Ebenso die Elektrik zur Beleuchtung.

Ein flüchtiger Moment bleibt

Größtenteils aus Eichenholz bestehen seine kleinen und großen Kunstwerke. In einigen Fällen ist dieses über 200 Jahre alt. Dem Holz als eines der ältesten Baustoffe wird nachgesagt, es lebe. Diesen Anschein vermitteln auch Schmitz´ Krippen. Die feinen Dachziegel und filigranen Fenster, in Moos gebettete Wurzelhöhlen und bewegliche Türen mit geheimnisvollem Charakter laden zur Fantasiereise jenseits der Weihnachtsgeschichte ein. Ein magischer Augenblick, der Eindruck schindet. Mit acht Jahren weiß seine Tochter Jenny bereits: „Ich möchte später auch mal Krippen bauen.“

Die kleine Welt als Wille und Vorstellung

Eindruck erweckte bei Schmitz die Ästhetik der Bauernhöfe Osttirols. Nicht nur deren architektonischen Begebenheiten, auch die Impressionen der Natur ließen bei ihm keine Zweifel entstehen – dies dient als Vorlage für seine rustikalen Krippen und als Inspiration für anderweitige kreative Ideen. „Ich brauche kein Maßband oder Fotos“, so der etwas andere Zimmermann, „ich gestalte rein aus der Vorstellung und Erinnerung an die prägenden Besuche dort.“ Möglicherweise war es geradeso die Sehnsucht nach Ruhe, Natur und Weite, die ihn mit seiner Familie in ein zum Teil autarkes Leben ins Eigenheim Richtung Eurener Wald zog. Die Ruhe zur Gestaltung ist fernab des hektischen Stadtbetriebs gegeben und das Arbeitsmaterial liegt zur breiten Auswahl direkt vor der Haustür.

Über die Schulter schauen

Am 2. und 3. Adventswochenende wird Stephan Schmitz im Freilichtmuseum in Konz-Roscheid seine Krippen nebst anderen Werken zur Schau stellen. „Es wird vor Ort gesägt und gehämmert“, freut sich Schmitz. [RP]

Fotos: BK

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *