Niemals geht man so ganz …

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Kürenzer Künstler leben auf der Straße

(Trier)

 

Seit der Eingemeindung im Jahr 1930 schreibt Kürenz Geschichte als Stadtteil von Trier. Ein Viertel, das Ende der 50er eine Erweiterung erlebte und seitdem aus zwei symbiotischen Teilen besteht: Alt-Kürenz und Neu-Kürenz. In Gedenken an berühmte Kürenzer Persönlichkeiten tragen heute einige Straßen deren Namen. Die drei hier genannten Künstler sind Namensgeber für Straßen auf dem Petrisberg. Synonym für alle Töchter und Söhne des Stadtteils werden kurze Blicke auf nur einige ihrer Talente gewährt.

Die Werner-Becker-Straße geht zurück auf den poetischen Meister der Trierer Mundart. Mit Ironie und Witz hat Becker (*1922) den Zeitgeist, ohne verletzend zu wirken, oft an seinem wunden Punkt getroffen und der Lokalpolitik und Gesellschaft auf den Zahn gefühlt. In Theaterstücken und karnevalistischen Aufführungen blühte er auf. „Su lange et aanem Spaaß micht“, lautet ein Titel seiner gesammelten Verse. Unvergessen ist sein Wirken bei Triers ältester „Karnevalsgesellschaft Heuschreck“.

Ebenso bei dieser und in einer Bonner Bar agierte sein langjähriger Freund Klaus Kordel (*1922) als „Mann am Klavier“. Unverkennbar mit Baskenmütze, verschaffte sich Kordel nicht nur als passionierter Pianist, sondern auch als „Rembrandt der Domänenstraße“ einen guten Ruf. Vor allem Portraitzeichnungen füllte er durch seine dynamische Strichführung mit Leben.

Ein weiteres Kürenzer Urgestein verkörpert der Glasmaler, Maler und Dichter Rudi Schillings (*1925). Während der Kriegsgefangenschaft in Chartres faszinierten ihn die blauen Kathedralfenster. Auch für ihn war die Kunst essentieller Bedeutung. Als Glasmaler war er zudem über Europas Grenzen hinaus gefragt – sogar in Los Angeles oder in der DR Kongo hinterließ er seine Handschrift in Kirchenfenstern. In der Pfarrkirche St. Bonifatius in Kürenz ziert sein Altarbild die Wand. „Schon als Messdiener war mir sein Bild stets präsent“, so sein Schwiegersohn Richard Pusch, „als liebenswürdiger Familien-Patriarch ist er in meiner Erinnerung geblieben.“

Gemein haben sie nicht allein die kreativen Begabungen und die Heimat. Werner Becker, Klaus Kordel und Rudi Schillings wurden im Jahr 2003 aus der Kürenzer Mitte gerissen. In den Herzen, in ihren Werken und in Straßennamen verewigt, leben sie weiter und bleiben ein Teil von Kürenz. Niemals geht man so ganz … [RP]

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